Überwältigender Erfolg: 1.500 Immobilieneigentümer bei der Info-Veranstaltung von Haus & Grund Stuttgart in der Liederhalle zur Frage, was das Heizungsgesetz Eigentümern und Vermietern abverlangt! Geradezu überwältigt von dem in dieser Dimension nicht erwarteten Interesse der privaten Eigentümer zeigte sich Ulrich Wecker, Geschäftsführer von Haus & Grund Stuttgart, angesichts von 1.500 Mitgliedern und Interessierten. Im vollen Hegel-Saal warb er bei der Veranstaltung zum Thema „Energiewende, GEG und Wärmeplanung – was kommt auf Eigentümer und Vermieter zu?“ nachdrücklich dafür, „in langen Linien zu denken“ und sich auf den Weg in die Klimaneutralität der Immobilien zu machen. Wecker betonte: „Wir privaten Eigentümer können unseren Beitrag leisten und wir werden ihn auch leisten.“ Zugleich unterstrich er, dass Haus & Grund einen Anschlusszwang an Wärmenetze ablehnt und forderte öffentliche Preis-Kontrolle für die Quasi-Monopole der Anbieter. Nur so entstehe Akzeptanz für Wärmenetze. Auch die Expertenrunde, die über die wesentlichen Aspekte der Thematik informierte, zeigte sich beeindruckt von der Resonanz. Jan Kohlmeyer von der Stabstelle Klimaschutz der Landeshauptstadt nannte die Veranstaltung einen „Startschuss, um nun aus der Lähmung ins Tun zu kommen“ und gab einmal mehr den Motivator.
verfasst von Marius Livschütz | 27.02.2024
Durchweg machten die Akteure deutlich, dass sich die Eigentümer mit dem zum Jahresbeginn wirksam gewordenen Heizungsgesetz auf eine neue Realität einstellen müssen. Wecker brachte dies auf den Punkt: „Es hilft nicht, der alten, schnurrenden Ölheizung oder der verlässlichen Gasetagenheizung nachzutrauern. Beide sind out.“ Mit „aller Deutlichkeit“ unterstrich er, dass dabei „neben der ökologischen Notwendigkeit der Heizungsumstellung und der Sanierung der Objekte zunehmend der Werterhalt einer Immobilie in den Vordergrund rücken“ werde. Dies zeige sich am Markt schon heute, sowohl beim Verkauf wie auch bei der Vermietung. Er wolle deshalb „ausdrücklich dazu ermuntern und ermutigen, sich dieser umfassenden Aufgabe zeitnah zu stellen. Wecker appellierte: „Packen Sie es an, packen wir es gemeinsam an!“
Dies untermauerte Dr. Volker Kienzlen Geschäftsführer der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA BW) mit Verweis auf stets neue Temperaturrekorde, die er eine „dramatische Erwärmung“ nannte: „Wir stehen vor einer Heißzeit“. Das werde „uns, unseren Kindern und Enkeln Probleme machen. Das ist der Grund, weshalb wir handeln müssen.“ Speziell auch im Gebäudebereich, der 35 Prozent des Energieverbrauchs und 30 Prozent der CO₂-Emissionen verursache. Das heiße: Abschied von den fossilen Energieträgern als Klimatreiber, Senkung des Energiebedarfs durch Gebäudeertüchtigung, Nutzung erneuerbarer Energiequellen.
Den Weg zu „zukunftsfähigen Gebäuden“ gebe das novellierte Gebäudeenergiegesetz (GEG) vor, verkürzt Heizungsgesetz genannt, dessen Regelungen Frank Hettler (Zukunft Altbau) skizzierte. Dessen Kernpunkt: „Bis 2045 soll die Abhängigkeit von fossilen Energien im Gebäudebereich überwunden sein.“ Hettler machte klar, dass die Vorschrift, die Wärmebereitung für Wasser und Heizung künftig mit einem 65-prozentigen Anteil von regenerativer Energie zu bewerkstelligen, erst bei einem Heizungstausch greife und auch mit der kommunalen Wärmeplanung verkoppelt sei. Zudem sei derzeit weiterhin der Einbau von Gas- und Ölheizungen erlaubt. Dies sei aber in der Praxis „keine gute Idee“. Hettler beschrieb die Fördermöglichkeiten und appellierte, die Sache „nicht danach zu betrachten, was die letzten Jahre war“, sondern mit Blick auf die Zukunft zu fragen: „Wie wird es in zehn Jahren sein?“ Er warb dafür, die vielfach genannte Expertise der auf dem Podium vertretenen Institutionen zu nutzen.
Beratungsexpertise auf dem Weg in zukunftsfähige Gebäude
„Wir befähigen Sie, eine gute und kluge Entscheidung zu treffen“, betonte dazu mit Blick auf die Zuhörerschaft auch Andreas Neft, Leiter des Amtes für Umweltschutz, als er über den aktuellen Stand der Wärmeplanung in Stuttgart sprach. Und angesichts des Zieles der Landeshauptstadt, bereits 2035 eine klimaneutrale Kommune zu sein, stellte Neft fest: „Das geht nur mit Ihrer Mitwirkung und mit passgenauer Unterstützung.“ Dazu gehöre auch die kommunale Wärmeplanung der Stadt. Diese habe 53 Quartiere mit Potenzial für Wärmenetze identifiziert. Ziel sei, den Eigentümern „für jeden Standort passgenaue Informationen“ zu bieten. Teils sei dies über die einschlägige Website der Stadt schon jetzt gegeben.
Um eine „punktscharfe Lösung“ für eine Gebäude zu finden, empfahl Ulrich König, Geschäftsführer des Energieberatungszentrums Stuttgart (EBZ), den Eigentümern, mit der Expertise des EBZ einen individuellen Sanierungsfahrplan zu erarbeiten: „Im Prinzip sollten wir das für jedes Gebäude haben“, machte König deutlich. Wichtig sei aber auch, das Sanierungs- mit einem Finanzierungskonzept zu verkoppeln und so festzulegen, welche Maßnahmen in welcher Reihenfolge und gegebenenfalls auch stufenweise realisierbar seien. Außerdem beschrieb König beispielhafte Sanierungsmaßnahmen, die unter Mithilfe des EBZ bewerkstelligt wurden. Er warb auch nachdrücklich dafür, von den besonderen Stuttgarter Förderprogrammen Gebrauch zu machen, die zusätzlich zu sonstigen Fördermitteln gewährt würden. König machte abschließend klar: „Die Energiewende in Deutschland ist ohne energetische Sanierung im Gebäudebestand nicht zu schaffen.“
Nach zwei Stunden mündete die Veranstaltung schließlich in eine ausgiebige Fragerunde, die den hohen Informationsbedarf der Eigentümer spiegelte. In deren Verlauf ging Amtsleiter Neft auch auf die Forderung von Haus & Grund ein, bei Wärmenetzen auf einen Anschlussund Nutzungszwang zu verzichten. Erfreulicherweise bestätigte Neft, dass ein solcher in Stuttgart weder vom Gemeinderat noch von der Verwaltung vorgesehen sei.
Hinweis: Für Rückfragen steht Ihnen GF Ulrich Wecker unter 0172 741 33 16 gerne zur Verfügung.
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