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Aktuelles
Am 3. Januar 2026 verübte die linksextreme „Vulkangruppe“ einen Brandanschlag auf eine Kabelbrücke am Teltowkanal in Berlin-Lichterfelde. In der Folge waren rund 100.000 Menschen in 45.000 Haushalten tagelang ohne Strom und Heizung. Ist soetwas auch in Stuttgart möglich? Wir haben bei der Stadt nachgefragt.
verfasst von Marius Livschütz | 08.02.2026
1. Wie sicher ist das Stromnetz in Stuttgart?
Die Versorgungsqualität in Stuttgart ist hoch. Ein anerkannter Maßstab zur Bewertung der Versorgungssicherheit ist die durchschnittliche Dauer ungeplanter Stromunterbrechungen pro Kunde und Jahr. Bundesweit liegt dieser Wert jetzt bei rund zwölf Minuten jährlich. In Stuttgart liegt die durchschnittliche Versorgungsunterbrechung mit etwa acht Minuten pro Jahr darunter.
2. Kann in Stuttgart durch einen Angriff auf das Stromnetz von interessierter Seite dieses lahmgelegt werden, so, wie es in Berlin der Fall gewesen ist?
Das Stromnetz in Stuttgart ist nach dem sogenannten N-1-Prinzip aufgebaut. Das bedeutet, dass zentrale Netzkomponenten wie Mittelspannungsleitungen oder Transformatoren redundant ausgelegt sind. Fällt eine einzelne Komponente aus, wird ihre Aufgabe von einer anderen Komponente übernommen. Sicherheitsrelevant ist auch, dass in Stuttgart rund 98 Prozent des 5.600 Kilometer langen Netzes unterirdisch verlegt sind. Diese Bauweise schützt die Infrastruktur vor äußeren Einwirkungen und erschwert unbefugte Zugriffe oder gezielte Beeinträchtigungen erheblich.
Unabhängig von den bestehenden Schutzmechanismen gilt grundsätzlich, dass keine technische Infrastruktur vollständig gegen jede denkbare Form der Beeinträchtigung abgesichert werden kann. Ziel aller getroffenen Maßnahmen ist es daher, Risiken bestmöglich zu minimieren, Störungen vorzubeugen und im Ereignisfall schnell und wirksam reagieren zu können. In diesem Sinne wird die Sicherheit und Resilienz der Strominfrastruktur kontinuierlich überprüft und weiterentwickelt.
Die Stromversorgung im Stadtgebiet ist jedoch nicht autark. Die Netzinfrastruktur in der Landeshauptstadt ist mit den vorgelagerten Netzen verbunden, die Stromversorgung von Einspeisungen aus den überregionalen Netzen abhängig.
3. Was hat die Stadt nach dem Stromausfall in Berlin unternommen, um die städtische Infrastruktur besser zu schützen?
Nach dem Stromausfall in Berlin bestand in Stuttgart aufgrund bestehender Vorkehrungen kein unmittelbarer Handlungsbedarf. Das Konzept für Stromausfälle wird auf Bedarf für Aktualisierungen überprüft.
4. Gibt es Notfallpläne der Stadt für den Fall eines länger anhaltenden Stromausfalls? Gibt es Notunterkünfte?
Die Landeshauptstadt Stuttgart hält seit 2023 ein Konzept für Stromausfälle vor. Ein zentraler Baustein sind die innerhalb von rund 30 Minuten einrichtbaren „Notfall-Leuchttürme“. Diese sind an 26 Standorten im Stadtgebiet verteilt (Standorte der Feuerwehr und Hallenbäder) und werden von Einsatzkräften der Feuerwehr Stuttgart und der DLRG besetzt. Hier können Bürgerinnen und Bürger Notrufmeldungen absetzen und erhalten im Bedarfsfall bereits Erste Hilfe. Bei länger anhaltenden Stromausfällen oder Krisen können beheizbare Notfall-Treffpunkte in den Stadtbezirken eingerichtet werden. Hierfür werden bei der Branddirektion als Untere Katastrophenschutzbehörde Materialien wie mobile Heizgeräte und weiteres Material für 41 Standorte vorgehalten.
Nähere Informationen und Angaben zu Standorten: https://www.stuttgart.de/leben/sicherheit/bevoelkerungsschutz/notfall-anlaufstellen
Darüber hinaus gibt es auch weitere interne Planungen beispielsweise für Betankungskonzepte und weitere Punkte, welche allerdings der Vertraulichkeit unterliegen.
5. Wohin können sich Stuttgarter bei einem Stromausfall wenden?
Bei einem Stromausfall in Stuttgart ist der Verteilnetzbetreiber „Stuttgart Netze“ der zentrale Ansprechpartner. Informationen über Versorgungsunterbrechungen werden auf der Startseite des Internetauftritts www.stuttgart-netze.de angezeigt. Darüber hinaus sind Störungsmeldungen jederzeit unter der Rufnummer 0800 4804 409 möglich.
6. Was rät die Stadt den Bürgern zur Vorsorge für einen ggf. länger anhaltenden Stromausfall?
In einem solchen Fall können die Einsatzkräfte nicht jeden Privathaushalt mit Notstrom versorgen oder niederschwellige Hilfe leisten, sondern müssen sich auf vulnerable Objekte / Personengruppen wie Altenheime, Krankenhäuser oder heimbeatmete Personen konzentrieren. Daher hat die Landeshauptstadt Stuttgart mehrere Kampagnen für die Eigenvorsorge der allgemeinen Bevölkerung über Social Media und klassische Medien durchgeführt:
Übrigens: nachdem die Stadt unsere Fragen beantwortet hatte, fiel auch in Stuttgart am 05. Februar 2026 kurz der Strom aus. Laut Angaben der Stuttgart Netze für 0,06 Sekunden. Allerdings führte das auch dazu, dass in Stuttgart dadurch Ampeln an zahlreichen Kreuzungen stundenlang lahmgelegt waren. Ursache war hier wohl menschliches Versagen, das durch den Schaltfehler eines Mitarbeiters in einem Umspannwerk verursacht wurde.
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